Sichtbarkeit älterer Schauspielerinnen
Dazu gab es am 14.02.23 auf www.zeit.de einen interessanten Artikel:
„Wir haben ein Gehirn, aber es wird nicht gern gesehen“.
Der Inhalt kommt älteren Lesern bekannt vor. Es geht wie früher auch darum, dass ältere Schauspielerinnen nur noch schlecht eine Rolle in neuen Produktionen finden, und noch schlechter eine Rolle, die ihnen gefällt. Soweit wie gehabt. Es fallen einige Punkte auf:
Zur Ausgangssituation: Als Schauspielerinnen ist man im Regelfall nicht festangestellt, sondern muss sich selbst um ein Engeagement bemühen, man ist halb Arbeitnehmer, halb Selbständiger. Das schafft eine große Abhängigkeit, vor allem im Fernseh- und Filmbereich. Dass da so manche Schauspielerin schon aus finanziellen Gründen in den Tisch beißen muss, ist bekannt, und manche verbeißen sich dabei. Ok. kann man sagen, das wussten die Frauen doch von Anfang an. Als Leistungsschwimmerin ist man mit 25 „Oma“, wer im Balett tanzt, ist mit 35 beruflich am Ende. Über amerikanische Schauspielerinnen habe ich gelesen, dass sie von ihrer „fuckability“ abhängig sind, die männlichen Zuschauer möchten nur Frauen sehen, mit denen sie sich ins Bett träumen können. Und wenn man die Fernsehverantwortlichen durch „Arbeitgeber“ ersetzt, geht es ganz allgemein um Altersdiskriminierung.
Die Aufzählung der Klischeerollen ist geradezu witzig, stutenbissige Patriarchinnen oder geschäftstüchtige Frauen, die für ihren Erfolg mit persönlichem Unglück bezahlen müssen, eigentlich könnte man lachen, aber auf Anhieb fällt mir kein gegenteiliger Film ein. Der deutsche Film ist „nun mal so“. Im Vertrauen: Ein Film wie „Harold and Maude“ (1971) wäre selbst heute (2023) im derzeitigen Deutschland nur schwer vorstellbar.
Wieso eigentlich? Um einmal beim Fernsehen zu bleiben, die Qualität des gebührenfinanzierten Fernsehens ist nur in politischer Hinsicht gewährleistet. Was die Unterhaltung anbetrifft, so geht es eben nicht um Informationen und nicht um Qualität. Einschaltquote ist gefragt.
Das Jugendschutzgesetz und die von der Grundsatzkommission erlassenen "Grundsätze der FSK" sind die Basis für die Prüfpraxis der „Freiwilligen Selbstkontrolle“, an sich schon eine Lachnummer mit ihren gesellschaftlich relevanten Gruppen. Anliegen dieser Grundsätze ist die wirksame Durchsetzung der im Grundgesetz verankerten Meinungs- und Informationsfreiheit, insbesondere der Presse- und Kunstfreiheit, in Abwägung mit anderen Grundrechten, wie dem Grundrecht von Kindern und Jugendlichen auf körperliche, geistige und seelische Unversehrtheit.
Die körperliche, geistige und seelische Unversehrtheit der Jugendlichen wird durch die paar Dutzend Morde täglich in den Öffentlichen nicht gefährdet. Aber wehe, es ist eine weibliche Brust zu sehen, die armen Jugendlichen! denken sich die Erwachsenen, furchtbar! Was die Jugendlichen wirklich sehen, ist noch eine ganz andere Liga. Abermals eine Lachnummer.
Wenn man den Artikel auf zeit-online auf sich einwirken lässt, kommt der Eindruck einer riesigen Enttäuschung auf. Da haben Berufsanfängerinnen in ihren ersten Berufsjahren geglaubt, sie könnten die Welt verändern und ein klein wenig besser machen durch ihre glaubhaften Darstellungen und Verkörperungen von durch die Zeit veränderten Frauen, und dann merken diese Frauen, dass Sie wenig bis nichts bewirkt haben. Geht es eigentlich nicht fast allen so?
Die eingentliche Falle, in die die Frauen in dem Artikel getappt sind, sie haben nicht erkannt, dass Fernsehen und Fernsehen zwei verschiedene Dinge sind. Der Informationsteil gibt im Großen und Ganzen die Realität wieder, der Unterhaltungsteil ist nach wie vor eine Illusionsmaschine, eine Fiktion ohne Anspruch auf Realitätsnähe. Offensichtlich haben die Schauspielerinnen geglaubt, sie könnten Einfluss auf die Illusionsmaschine nehmen. Das hat nicht geklappt. Die sogenannten Verantwortlichen im Fernsehen sind Verwaltungsfachleute, haben mit Kunst meist wenig zu tun. Ich erinnere an den Drehbuchautoren Felix Huby, dem nach jahrzehntelangen erfolgreichen Tatort-Drehbüchern eine junge Frau vor die Nase gesetzt worden ist, die ihm erst mal erklärte, er habe keine Ahnung. Keine Ahnung, aber an der Macht – das ist häufig die Realität. Um die Einschaltquote zu studieren, reicht ein sekundenschneller Blick.
Fernsehunterhaltung Symbolbild
Bleibt letztlich nur zu wünschen, dass die Qualität sich langfristig auch im Unterhaltungsteil verbessert. Wer die Programmzeitschriften derzeit durchblättert, findet wenig Hoffnung.